Anlass

Die Landesregierung richtet ihre Politik nach dem Leitbild einer „Stadt für alle“ aus. Hier sind Kinder und Jugendliche genauso zuhause, wie alte Menschen, wie Alteingesessene und Zugezogene. Hier wird Solidarität, Offenheit und Toleranz gelebt. Hier können sich alle wohlfühlen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Neben die vielfältigen, baulichen Anforderungen die sich daraus für die Städte ergeben (bezahlbarer Wohnraum, Barrierefreiheit, Instandhaltung und Neubau von sozialen Infrastruktureinrichtungen u.v.a.), werden ebenso vielfältige Anforderungen an die Begegnungs- Frei- und Grünräume in den Städten gestellt. Dabei spielt sowohl die Sicherstellung des sozialen Zusammenhalts, als auch die Attraktivität im Standortwettbewerb um Unternehmen und Arbeitsplätze sowie die Verbesserung und Wiederherstellung der lokalen Umweltqualität eine Rolle. Zugleich wird in vielen Fällen eine Anpassung der Städte an die Folgen des Klimawandels notwendig werden. Grünflächen und Naturschutz spielen hier eine wichtige Rolle für die Lebensqualität.

Kristallisations- und Bezugspunktpunkt all dieser gleichzeitig auftretenden Anforderungen sind die Innenstädte. Innenstädte sind Wirtschaftsraum und Arbeitsort, Wohnort und Ort des Handels, der Freizeit und Kultur, Ort der Begegnung und Integration. Dies gilt für wachsende und schrumpfende Städte gleichermaßen. Zum Erleben der Innenstädte sind lebendige und attraktive Grünräume unerlässlich.

Wie können Zukunftsbilder einer grünen Innenstadt aussehen? Um diese Frage zu beantworten, muss das Spannungsfeld zwischen grüner Flächennutzung und anderen aktuellen Stadtentwicklungsthemen erörtert werden. Dazu gehören Themen wie Nutzungsvielfalt bzw. Multifunktionalität, Nachverdichtungsansprüche in Verbindung mit neuen Formen von Grünflächen, Sicherheit und Pflege sowie die Erlebbarkeit von Grünräumen für alle Bevölkerungsgruppen.

Innerstädtisches Grün stellt eine elementare Chance dar, um Innenstädte nachhaltig für Mensch und Natur zu gestalten. Grünstrukturen erfüllen ökologische Funktionen und haben einen direkten Einfluss auf das Stadtklima (Eindämmung der negativen Folgen des Klimawandels für die Kommunen). Sie erfüllen weitreichende soziale Funktionen und wirken auf die Gesundheit sowie das Wohlbefinden der Stadtbewohner_innen. Grünräume mit einer angepassten Programmatik können zur Steigerung der gesellschaftlichen Teilhabe und Umweltgerechtigkeit beitragen sowie als wichtige Orte der Begegnung, Interaktion und Integration dienen. Es gilt, passgenaue Handlungsansätze zu entwickeln, welche diesen Herausforderungen entgegnen und lebenswerte Innenstädte sichern.

Grünräume müssen gestaltet sein, sich an die ortsspezifischen Entwicklungen und Herausforderungen anpassen sowie die Nutzungsansprüche vor Ort einvernehmlich bedienen. Ebenso wichtig ist die Zugänglichkeit und damit die Klärung, von wem der geschaffene Grünraum genutzt und wie ggf. eine (uneingeschränkte) Zugänglichkeit gewährleistet werden kann. Bei neuen Projekten ist es erforderlich, die städtebaulichen Strukturen vor Ort zu analysieren und die „richtigen“ Grünformate herauszuarbeiten. Es ist zu überprüfen, wie diese neuen Formate einen Beitrag zur Schaffung von lebenswerten Stadtquartieren leisten können. Von besonderem Interesse ist dabei die Mehrfachnutzung von Räumen, die so genannte Multicodierung, verbunden mit der Frage, welche Aufgaben multifunktional gestaltete Räume erfüllen müssen.

Die Grünraumentwicklung sollte Teil der integrierten (Stadt-)Planung sein. Hierbei sind die jeweils relevanten Akteure – auch über die Partizipation von Bewohner_innen - in die Gestaltungs- und Entwicklungsprozesse einzubinden. Ggf. können über die Grünraumentwicklung neue Kooperationen (bspw. mit Initiativen, Vereinen, Privatpersonen, Investor_innen) entstehen.

Schließlich muss die Finanzierung von Grünräumen in der Herstellung wie auch in der Pflege und Unterhaltung langfristig gesichert sein. Unter Umständen können hier alternative Finanzierungmodelle über die Einbindung von Bürger_innen, Crowdfunding o.ä. genutzt werden.

Grünräume können folgende Funktionen erfüllen:

Soziale Funktionen

  • Freizeitnutzung und Erholung sowie Aktivitäten und sportliche Nutzung (wichtig für das Wohlbefinden der Stadtbevölkerung)
  • Räume der Kommunikation, sicheren Begegnung, Interaktion, Integration und Inklusion (dies gewinnt v. a. vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen und demographischen Wandels an Bedeutung; Zunahme der Einpersonenhaushalte erfordern mehr Orte der Begegnung im öffentlichen Raum)
  • Gesundheit (u. a. Verringerung der Lärm-, Schadstoff- und Staubbelastung, Bewegungsräume/ Sport, Entspannung und Erholung)
  • Identifikation und Stadtstruktur (stadträumliche Gliederung, Image eines Quartiers/ Lebensumfelds)
  • Beteiligung an Planungsprozessen und Mitwirkung bei der Umsetzung, auch Menschen mit Beeinträchtigungen

Ökologische Funktionen

  • Stadtklima (u. a. Filterfunktion der Luft, Luftzirkulation, Kühlungseffekt; günstige stadtklimatische Effekte tragen zum Wohlbefinden der Stadtbevölkerung bei)
  • Ökologie und Naturraum (Lebensraum für Tier- und Pflanzenwelt, Steigerung der Biodiversität)
  • Wasserkreislauf und Regenwassermanagement (u. a. Regenwasserrückhaltebecken, wichtige Versickerungsflächen, Zwischenspeichern von Regenwasser, Entlastung der Kanalisation, finanzielle Entlastung der Kommunen)

Stadtgestalterische Funktionen

  • Verbesserung des Erscheinungsbildes
  • Stadträumliche Gliederung
  • Erhöhung der Aufenthaltsqualität

Versorgungsfunktionen

  • urbanes Gärtnern, urbane Landwirtschaft
  • Multicodierung (Mehrfachnutzung) von Flächen („grün und grau“ oder „grau mit grün“)

Zukunft Innenstadt

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Unterlagen zum Innenstadtwettbewerb 2017

Ausschreibungsunterlagen (pdf-Dokument, 5.323 KB)

Wettbewerbsantrag (pdf-Dokument, 62 KB)

Wettbewerbsflyer (pdf-Dokument, 860 KB)